Renate Rasp
Komm wir rennen über mich weg!
Ausgewählte Gedichte
Auf der letzten Tagung der Gruppe 47 knallt Renate Rasp den Anwesenden so offensiv dreckige Gedichte vor den Latz, dass die ihren Ohren nicht trauen. Im Jahr darauf, 1968, sorgt Rasp für einen Skandal, als sie auf der Frankfurter Buchmesse eine Lesung mit freiem Oberkörper absolviert. Als »literarische femme fatale« von den Feuilletons hofiert, stoßen ihre Bücher jetzt auf positives Interesse. Wie zur gleichen Zeit ihr Kiwi-Verlagskollege Rolf Dieter Brinkmann macht Rasp die US-Underground-Literatur fruchtbar und seziert mit viel Spaß an der Provokation die bürgerlichen Heilsbegriffe Ehe, Familie und Liebe, wobei sie die eigenen Widersprüche im identitätspolitischen Spiel stets mitbedenkt.
Wie so vielen Autorinnen jener Jahre gelingt es Renate Rasp allerdings nicht, ihre frühen Erfolge in eine konstante Karriere umzumünzen. Die männlich dominierte Literaturszene will sie nicht mitspielen lassen, und so zieht sie sich schließlich desillusioniert aus dem literarischen Leben zurück. Ihr Tod 2015 zeitigt noch ein paar pflichtschuldige Erinnerungsartikel, die Öffentlichkeit hat sie da längst vergessen. Dieser Auswahlband ist ein Angebot, die Dichterin Renate Rasp wiederzuentdecken – als eine originäre
Stimme der deutschen Nachkriegslyrik.
»Sie schreiben uns an die Wand, die Frauen!« Günter Grass nach Renate Rasps Lesung ihrer Gedichte bei der Gruppe 47
Dieser Titel erscheint am 15. Januar 2027 und ist vorbestellbar.
edition interzone Bd. 2. Herausgegeben von Frank Schäfer
Januar 2027, Hardcover 12,5 x 20 cm, 120 S., ISBN 978-3-910335-93-6




