Wie Zelten im eigenen Garten

Drei Fragen an Martina Bartling zu „Lokalrunde – Zu Fuß um Braunschweig auf dem Kleine-Dörfer-Weg“

Im jüngsten Band unserer Reihe von ungewöhnlichen Regionalbüchern umwandert Martina Bartling ihre Heimatstadt Braunschweig innerhalb einer Woche auf dem Kleine-Dörfer-Weg. In „Lokalrunde“ nimmt sie uns mit auf die abenteuerliche Reise voller geheimnisvoller Kulturschätze, wunderschöner Natur und netter Ureinwohner. Sie muss aber auch dunkle Waldstücke durchqueren und in manch ungastlicher Herberge übernachten. Und immer wieder muss sie erklären, warum sie sich auf diese Mission begeben hat. 

Wanderwege gibt es viele. Was ist vielleicht das besondere Abenteuer, wenn man den Kleine-Dörfer-Weg um Braunschweig geht? 

Für Braunschweiger ist der Perspektivwechsel interessant. Als Touristin die eigene Stadt zu umwandern, eröffnet ganz neue Blickwinkel. Das Abenteuer, in Hotels und Gasthöfen nahe der eigenen Wohnung zu übernachten, ist vielleicht zu vergleichen mit dem Gefühl beim Zelten im Garten, das manch einer möglicherweise noch aus Kindheitstagen kennt: Damals mussten wir auch nicht unbedingt weit wegfahren, um ein spannendes Abenteuer zu erleben. Der Kleine-Dörfer-Weg ist wie Zelten im Garten für Große. Man kann auf dem Weg erstaunlich viel Neues entdecken und das Große im Kleinen finden – ein philosophischer Aspekt, der sich auf viele Lebensbereiche übertragen lässt.
Ein weiterer Vorteil, ebenfalls ähnlich wie beim Gartencamping: Sollte es plötzlich erforderlich werden, das Abenteuer abzubrechen, ist man in kürzester Zeit wieder zu Hause.

Du hast ja zum ersten Mal mit einem Buchverlag zusammengearbeitet. Gab es etwas, was du dir dabei vorher ganz anders vorgestellt hast?

In Kinofilmen läuft das ja meist so ab: Die Autorin schreibt viele Seiten voll, setzt unter den letzten Satz das Wort „Ende“ und schickt das komplette Manuskript in einem braunen Umschlag an einen Verlag. Wenige Wochen später geht sie an einer Buchhandlung vorbei und entdeckt ihr gedrucktes Werk im Schaufenster.
Selbstverständlich hatte ich mir die Zusammenarbeit mit einem Verlag keinesfalls so klischeehaft vorgestellt, aber ich war schon erstaunt, dass das Manuskript, das ich für abgeschlossen hielt, lediglich die Basis für einen weiteren kreativen Prozess darstellte. Die eigentliche Arbeit begann erst nach der Vertragsunterzeichnung mit der Umsetzung der vielen guten Ideen des Verlages zur Erweiterung und Bereicherung des Manuskriptes und zur Ausstattung des Buches. Positiv überrascht war ich auch von der Augenhöhe, auf der unsere Zusammenarbeit erfolgte, also davon, dass ich in alle Schritte des Entstehungsprozesses einbezogen wurde und beispielsweise bei der Titelauswahl, der Covergestaltung oder dem Layout mitentscheiden durfte.
Die Zusammenarbeit mit dem Lektor hatte ich mir nicht ganz so anstrengend vorgestellt. Im Nachhinein bin ich ihm natürlich sehr dankbar für das aufmerksame Aufspüren kleiner und größerer Macken und das Schleifen meines Textes an vielen Stellen.

Dein Buch wurde ja von der regionalen Presse sehr gut und ausführlich besprochen. Welche Reaktion auf „Lokalrunde“ hat dich persönlich am meisten gefreut?

Der Presserummel war wirklich überwältigend. Großartig fand ich auch die auffällige Platzierung der „Lokalrunde“ in den Braunschweiger Buchläden.
Am meisten freue ich mich aber über die vielen ganz persönlichen Reaktionen: Kollegen und Bekannte erzählen mir, dass sie den Kleine-Dörfer-Weg nachwandern wollen – entweder ganz oder nur einzelne Etappen. Eine Dame aus Wolfenbüttel hat mir am Telefon berichtet, dass sie einmal allein von Wolfenbüttel nach Bremen gelaufen ist, und hat mir ihre handschriftlichen Aufzeichnungen darüber per Post geschickt. Eine Nachbarin spendiert ihren Freunden und Verwandten zurzeit des Öfteren eine „Lokalrunde“ zu besonderen Anlässen: In regelmäßigen Abständen hängt an meiner Türklinke eine Tüte mit Geld und einem Zettel, der Informationen über den Empfänger enthält, wie „Manfred, Eintracht-Fan“ oder „Meine Mutter, Greta, Geburtstag“. Am nächsten Morgen hängt ein Buch mit passender Widmung in derselben Tüte an der Klinke meiner Nachbarin.
Mich freut auch, dass vielen der Buchtitel gefällt. Sogar aus Paris erhielt ich eine Reaktion – ein früherer Schulfreund schrieb mir: „Bravo für das Buch und besonders für den Titel „Lokalrunde“.“

Zum Buch „Lokalrunde“

Leseprobe (Issuu)

Die Presse über das Buch (Auswahl wird laufend aktualisiert):

Neue Braunschweiger

Wolfenbüttler Schaufenster

Radio Okerwelle

Die Region

Braunschweiger Zeitung

unser38

subway

Fotos: Bartling

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