Die Party wird nachgeholt

Drei Fragen an Andreas Reiffer zum 20jährigen Verlagsjubiläum

20 Jahre Verlag Andreas Reiffer. In nackten Zahlen ausgedrückt sind das rund 70 – größtenteils noch erhältliche – gedruckte Bücher, hinzu kommen noch E-Book-Ableger und einige Titel, für die der kleine Verlag nördlich von Braunschweig die Auslieferung an den Buchhandel übernommen hat. Eine klassische Soloselbständigkeit, die aber nur wegen seiner hervorragenden Autor*innen und Grafiker*innen funktioniert. Ein Selbstgespräch.

Das Verlagsjubiläumsjahr hast du dir wahrscheinlich auch anders vorgestellt!

Ganz bestimmt. Aber ich habe versucht, das Beste draus zu machen und auch etwas Glück gehabt. Im März und April hatte ich eh keine Neuerscheinungen geplant. Bei den Büchern, die dann im Mai und Juni erschienen, hatte ich gute Presseresonanzen – wahrscheinlich weil das Corona-Thema damals auch auf den Kulturseiten schon ausreichend durchgekaut war. Außerdem hatten die Buchhandlungen zu diesem Zeitpunkt schon wieder geöffnet. Und ein Buch wie »Grenzenlos. Begegnungen am Grünen Band« von Beatrix Flatt lief letztendlich auch so gut, weil es sich mit einer Kulturlandschaft beschäftigt, die direkt vor unser Tür liegt – und damit weniger von den Reiseeinschränkungen betroffen war bzw. ist. Was allerdings gar nicht lief, waren die sonst stabilen Titel aus der Backlist, also die Eishockey-Bücher oder „Die Wahrheit über Wacken“. Insgesamt sehe ich für meine Bücher nicht das von der Branche erhoffte „große Lesen in den Zeiten der Isolation“. Und eine Party hätte ich schon gerne mit den Weggefährt*innen gefeiert, aber das wird nachgeholt. Momentan nutze ich die Zeit, um das Programm für kommendes Jahr gut vorzubereiten.

Eine gute Überleitung zu meiner zweiten Frage, was dürfen wir in der nächsten Zukunft vom Verlag Andreas Reiffer erwarten?

Auch wenn ich noch keine Autoren und Titel nennen möchte – das kommende Jahr wird sehr deutlich geprägt sein von Rockmusik und dem leider so selten gewordenen literarischen Rockmusikjournalismus. Also einem Genre, mit dem sich schon die im Oktober erschienen beiden Wolfgang-Welt-Bände und die Bücher von Frank Schäfer beschäftigen. Also, ich freue mich wirklich extrem drauf. Und die geplanten Werke sollen auch schön verpackt und gestaltet werden – mit exklusiven Illustrationen, tollen Fotos und am liebsten als Hardcover.
Einen Masterplan für die nächsten 20 Jahre habe ich allerdings nicht. Ein paar Ziele für die vielleicht kommenden zwei oder drei Jahre schon – so möchte ich gerne die »edition kopfkiosk« weiter vorantreiben, einer Reihe von Klappenbroschür-Taschenbüchern im einheitlichen Design mit Platz für Essays, Reportagen und Sachbuchthemen zum Preis eines Sixpacks und einer Tüte Chips am Kiosk.

Was braucht es, damit dein kleiner Verlag vielleicht auch noch in 20 Jahren schöne Bücher herausbringen kann?

Zunächst erst einmal natürlich meine eigene Gesundheit. Und dann weiterhin tolle Ideen, Autor*innen und Texte – aber hier habe ich eigentlich die geringsten Befürchtungen, langweilige Titel werde ich hoffentlich nie verlegen (müssen). Generell müssen sich aber einige Dinge ändern. Einerseits müssen die Bedingungen für kleine Verlage und seiner Autor*innen verbessert werden. Zum Beispiel durch eine strukturelle oder projektbezogene Förderung, die gleichzeitig eine verlegerische Unabhängigkeit garantiert. Zudem stimmt für mich das Umsatz-Gleichgewicht zwischen Verlag und Handel nicht. Vom Ladenpreis eines Buches erhalte ich vom Großhandel weniger als die Hälfte, habe aber alle Produktionskosten, Honorare und das komplette unternehmerische Risiko zu tragen, schließlich kann der Großhändler ja sogar remittieren. Tja, und dann der problematischste Punkt – die Leser*innen werden durch das veränderte Medienangebot weniger – zumindest für die Themen, die ich verlege. Hier kann ich letztendlich nur durch Qualität überzeugen und den einen oder anderen »zurückholen«. Und dafür benötige ich wiederum die erwähnten besseren Voraussetzungen am Markt.

Fotos: Verlag

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