Schreiblust und Wahrheitssuche

Drei Fragen an Renate Stauf und Christian Wiebe vom Institut für Germanistik der TU Braunschweig zu »Märchenstadt und Parnass«

Die Idee zu diesem Buch, welches sich mit rund 500 Jahre Literatur in und aus Braunschweig beschäftigt, entstand durch eine viel beachtete Ringvorlesung im vergangenen Jahr. Herausgekommen ist ein Reader über das Wirken von Ricarda Huch, August Klingemann, Wilhelm Raabe, Gottfried Ephraim Lessing, Hermann Bote und vielen anderen. Mit Georg Oswald Cott und Frank Schäfer gibt es zwei aktuelle Beispiele literarischer Arbeit aus der Löwenstadt.

Diese Eingangsfrage muss natürlich sein – was verbirgt sich hinter dem Titel »Märchenstadt und Parnass«?

Stauf: »Märchenstadt« bezieht sich auf ein Lebensgefühl der Braunschweiger Autorin Ricarda Huch, die bekanntlich hier ihre Kindheit verbracht hat.

Wiebe: Den Begriff »Parnass« haben wir von den Professoren des Collegium Carolinum, der Vorläuferinstitution der Technischen Universität, übernommen, die einer gelehrten Vereinigung den Namen »Braunschweiger Parnass« gegeben hatten. Die antike Bedeutung ist hier mitgemeint, sie geht zurück auf den Sitz Apollons und der Musen.

Die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes befassen sich in der Regel akademisch mit Literatur. Für die Beiträge zu »Märchenstadt und Parnass« haben Sie Ihnen eine besondere Aufgabe gestellt.

Stauf: Zugunsten der Lesbarkeit wurde auf Fußnoten zu verzichtet und die Autorinnen und Autoren haben einen essayistische Stil gewählt.

Wiebe: Dieser essayistische Stil macht den Band auch für ein breiteres Publikum lesbar. Und überhaupt verdient Erwähnung, dass dies das erste Buch ist, in dem Autoren mit Braunschweig-Bezug vom Mittelalter bis zur Gegenwart versammelt sind.

Stauf: Eine Weltpremiere sozusagen.

Sie haben nicht nur das Buch herausgegeben, sondern selber auch Beiträge über Lessing beziehungsweise Anton Ulrich geliefert. Was fasziniert Sie an diesen beiden Schriftstellern?

Wiebe: Fasziniert hat mich die Schreiblust des Braunschweiger Herzogs, der als Herrscher eine solche Fülle von Texten produziert hat. Und darunter zwei ausgesprochen lange – und bemerkenswerte – Romane.

Stauf: In seiner Schreiblust ist er Lessing verwandt, der mich über seine Dramen hinaus schon immer als weltoffener, neugieriger Wahrheitssuchender fasziniert hat.

Am 27. November findet im Haus der Wissenschaft (18.30 Uhr, Raum Weitblick, Pockelsstr. 11) die Buchpräsentation zu »Märchenstadt und Parnass« statt. Mit einer Lesung ausgewählter Texte von Till Eulenspiegel, Karl Philipp Moritz, Wilhelm Raabe, Ricarda Huch, Frank Schäfer und Georg Oswald Cott. Im Anschluss lädt das Institut für Germanistik zu Wein und Imbiss ein, Eintritt frei (um Voranmeldung wird gebeten).

Illustrationen: Patrick Schmitz

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